Wie heißt es doch so schön: “Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.” Auch bei SEO und Linkbaits? In der letzten Zeit habe ich von zwei interessanten Linkbaits Kenntnis genommen, wobei einer davon sehr erfolgreich verlief und der andere weniger erfolgreich. Die Linkbaits wurden durch eine falsche Geschichte inszeniert, die alle erstaunen und zum Verlinken anstiften sollte - ein interessantes Mittel; wenn es gut gemacht wird, kann es sich lohnen, aber gucken wir uns -wie gesagt- die zwei Beispiele an.

“Physiker warnt vor EM Ball”

Fangen wir mit dem schlechteren beider Linkbaits an - wobei schlechter nicht mit der “Qualität” der Geschichte zu verwechseln ist. Heute vor einem Monat titelte Sportgate.de “US Physiker warnt vor EM Ball” und hat mit viel Fantasie etwas lustiges zusammengeschrieben; hier einige Kostproben:

Der offizielle EM Ball sei durch seine extreme Nähe zur perfekten Kugel (Abweichung ca. 0,1%) zu perfekt um im normalen Raum-Zeit-Kontinuum stabil zu existieren.

Zugegeben: Wer sich hier nicht fragt, was das soll, der hat zuviel Star Wars gesehen, ehrlich!

So bewege sich der EM Ball oftmals wesentlich schneller, als dies aerodynamisch möglich sei, sein Abprallverhalten entspräche nicht immer den Regeln der Mechanik und seine Masse scheint zu fluktuieren.

Und so weiter, und so weiter.. wie gesagt, wenn man nichts besseres zu tun hat, ist das Lesen von sowas nicht ganz verkehrt ;) Doch welchen Erfolg hatte die Aktion letztendlich? Nun, er war nicht groß. Links gab es so gut wie gar keine. Gestreut wurde der Link auf Social Media Plattformen wie YiGG oder Scoop. Backlinks von anderen Blogs und Websites - Fehlanzeige :)

“13 Year Old Steals Dad’s Credit Card to Buy Hookers”

Wesentlich erfolgreicher war da die Geschichte mit dem 13-jährigen Jungen, der seinem Vater die Kreditkarte gestohlen hatte, um Prostituierte zu ordern. Fabriziert wurde die Story von Money.co.uk, einem Finanzportal.

“Meinen Papa stört das sicher nicht, er hat ja meinen Geburtstag vergessen und wollte eh das Geschenk noch nachholen. Das Disneyland interessiert mich nicht so.”

Etliche große Websites wie z.b. Gulli.com fielen auf die Story rein, massig englischsprachige Blogs bloggten die Story, selbst vom Fernsehen wurde es kurz aufgegriffen! Doch woran lag es nun, dass der Linkbait von Money.co.uk ein Erfolg war und der von Sportgate.de ein Schuss in den Ofen? Ich denke, es spielen zwei Punkte eine große Rolle. Zum einen haben wir es hier wieder mit der Sprache zu tun. Deutsch: wenig Leser, englisch: viele Leser. Die Chance, das die Story von mehreren Medien aufgegriffen wird, ist folglich im englischsprachigen Bereich am größten. Zum anderen ist die Story mit dem Jungen und der Kreditkarte auf dem ersten Blick glaubwürdiger, als ein EM Ball, der laut der Physik “zu perfekt” ist. Wenn man sich z.b. einmal die Diskussion auf Gulli.com ansieht, stellt man fest, das die Story erstmal so gefressen worden ist. Wäre die Story mit dem Ball auf englisch gewesen, hätte sie wohl sehr viel größeren Erfolg gehabt.

Die Frage die sich zusätzlich noch stellt ist nur die, ob man sowas machen oder lieber lassen sollte. Klar, eine solche Aktion kann, wenn sie korrekt ausgeführt wird und man etwas Glück hat, richtig viele Links geben. Sie schädigt aber mit großer Wahrscheinlichkeit die Reputation des Mediums, die eine solche Story veröffentlicht. Es liegt an Euch, was wichtiger für Euch ist. ;) Ich persönlich würde es sein lassen. Auch, wenn es mit die billigste Variante ist Links zu bekommen. Mehr als 1,2 Stunden Zeit braucht man für sowas nun wirklich nicht, große Hürde ist nur die Idee, der Geistesblitz..

Hier noch ein paar Links zum Thema:
Doing A Fake Story For Linkbait?
Media Duped by Fake Story About Boy Who Hired Hookers
Linkbait at any Cost?
Diskussion auf sphinn.com